











Unser Enzokuhle, also der Tourbus, hatte in der Nacht zum Freitag Probleme gemacht. Die Alarmanlage hatte ausgelöst. Der Opa ging hin, startete ihn, öffnete alle Türen rundherum und schloss diese wieder. Kurz nach dem Abschließen ging der Alarm wieder los. Nach einer Wiederholung der Prozedur war Ruhe.
Am Samstag Vormittag ging der Alarm wieder los. Opa rief die Hotline an. Man kümmere sich und würde zurückrufen. Der Rückruf kam nicht, aber es war erst einmal Ruhe. Unsere Vermutung war, dass sie online auf das Bordsystem zurück gegriffen und die Anlage etwas nachgeregelt hatten. Es sind ja verschiedene SIM Karten verbaut, das könnte eine Erklärung sein. Am Samstag ging jedenfalls kein Alarm mehr los.
Nach dem Frühstück ging es für Yvonne, dem Opa und dem kleinen Noah nach Kapstadt. Uschi fühlte sich nicht so gut und schonte sich auf der African Family Farm. Die anderen machten eine Mini Stadtrundfahrt vorbei am Castle of Good Hope, dem Slave Museum, dem District Six Museum und der Kathedrale St. Georges des ehemaligen Nobelpreisträgers Desmont Tutu. Wie gern hätte das der Opa den Beiden gezeigt. Doch die Zeit war knapp. Für Kapstadt alleine bräuchte man mindestens drei Wochen. Wir hatten nur noch einen Tag.
Der Opa steuerte zunächst zum Bo-Kaap. Das ist ein Stadtviertel von Kapstadt und wurde durch seine bunten Häuschen ein begehrtes Ziel für Touristen. Aber auch Werbespots wurden hier in dieser Kulisse gedreht. Das Bo-Kaap ist etwa einen Quadratkilometer groß. Der Stadtteil zeichnet sich durch enge, steile Gassen und in unterschiedlichen grellen Farben gestrichene Fassaden aus. Der Baustil ist eine Synthese aus kapholländischer und Edwardianischer Architektur, sagt Wikipedia.
Es war ziemlich voll. Auch hier steuerten große Reisebusse hin und entluden ihre Passagiere. Und wo viele Touristen sind, sind auch viele Menschen, die auf das schnelle Geld aus sind. Wir waren gerade in die Wale Street eingebogen und hatten die ersten Häuser passiert, da erblickte man uns. Individualreisende mit Mietwagen sind immer schnell zu erkennen. Gleich drei Männer stürmten auf uns zu und verbal auf uns ein. Gerade war an exponierter Stelle ein Parkplatz frei und von allen Seiten bauten sie sich um Enzokuhle auf und gaben lautstark Kommandos zum Einparken. Der Opa braucht das nicht, Enzokuhle hat eine tolle Rückfahrkamera verbaut und die Lücke war groß genug.
Naja, ein Parkplatz direkt an der Sehenswürdigkeit ist nicht schlecht. Die Männer sahen zwar nicht aus, als ob sie die offiziellen Parkplatzwächter seien, aber im kleinen Rahmen gibt man immer ein paar Rand. Je nach Dauer und angebotener Hilfe, wie zum Beispiel Einkäufe verladen, sind zwei bis zehn Rand üblich.
Es sei "ihr" Parkplatz und der würde 150 Rand kosten. Fast schon drohend bauten sie sich vor dem Opa auf, ein beliebter grenzwertiger Vorgang um ahnungslose Touristen zu beeindrucken. Yve war gerade ausgestiegen, da konnte ich nur noch das Kommando zurück geben. Noahs und Yvs Sicherheit gingen vor.
Rein in den Bus, Sicherheitsverriegelung und los. Etwa 200 Meter weiter, wo auch die Reisebusse parkten, fanden wir einen Platz. Hier war sonst niemand.
Wir schauten uns die Häuschen in verschiedenen Gassen an, machten unsere Fotos, besichtigten zwei Kunstausstellungen und gingen zurück zum Auto. Plötzlich war hier auch jemand, der Geld wollte für den Parkplatz. Es sei sein Parkplatz und Zwanzig Rand wären die Gebühr. Ich verneinte und sofort kam seine Drohgebärde. Leider hatte ich da schon ein 5 Rand Stück in der Hand, übergab es ihm mit den Worten, dass es genug sei. Gegenüber parkten gerade vier Senioren mit ihrem Mietwagen. Wahrscheinlich waren sie leichtere Beute und er trollte sich und zog seine Nummer bei Ihnen ab. Ich konnte noch die irritierten Gesichter sehen, sie gaben schnell nach.
Wenn das so weiter geht, werden irgendwann die Touristen ausbleiben. Wie schön ruhig und entspannt war alles noch vor ein paar Jahren.
Wir fuhren nun zur Noon Gun. Die steht auf dem Signal Hill. Hier gibt es einen tollen Blick auf Kapstadt. Das Fußballstadion ist zu sehen und in der Ferne die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, wo unter anderem auch Nelson Mandela viele Jahre verbringen musste.
Die Noon Gun steht innerhalb einer militärischen Anlage. Hier sind einige ausgemusterte Kanonen zu sehen. Zwei Kanonen, die Richtung Hafen gerichtet sind, werden im täglichen Wechsel mit etwa 500 Gramm Schwarzpulver gezündet. Immer um 12 Uhr Mittags, ausser Sonntags. Gemessen wird mit der Zeit der Atomuhr aus dem Kapstadt Ovservatorium.
Wir waren fast die Ersten am Tor, nach uns kamen noch ein paar Pkw. Reisebusse verirren sich hier nicht hin, sie kämen auch nicht durch die schmalen und steilen Gassen.
Ein Militärangehöriger stand am Tor. Ein Schild zeigte an, dass die Anlage zur Zeit wegen Wartungsarbeiten für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Der Mann bestätigte das noch einmal auf Nachfrage. Er wüde sie zünden und man könne den Knall auch am Tor hören.
Eine kleine und nette Gruppe Schweizer kam hinzu. Eine Frau der Gruppe lebt in Johannesburg und sie zeigte ihrer Familie ihr Südafrika. Sie fing an, mit dem Mann zu diskutieren. Noah kam dazu und der Opa diskutierte mit, dass dieser kleine Mann sich so gefreut hatte und er bestimmt gleich weinen würde.
Es hatte den Anschein, dass der Mann diese Show genoss und wir konnten ihm ein "Vielleicht" entlocken. Also warteten wir geduldig und teilten diese Information auch den anderen Wartenden mit.
Tatsächlich kam er wenige Minuten vor 12:00 Uhr zurück und öffnete das Tor. Wir gingen schnell zu der Position, die einem früher zugewiesen wurde. Der Opa und einige andere kannten das Procedere. Der Kanonier sagte noch, er würde von 10 abwärts zählen, damit wir den Moment nicht verpassen. Das tat er übrigens nicht und so waren wir alle vom plötzlichen Knall überrascht. Glücklicherweise hatte der Opa die Videokamera bereits mitlaufen lassen und hatte das drauf.
Danach konnten alle noch Fotos schießen und dann war das Spektakel zu Ende. Viele bedankten sich bei dem Kanonier. Der Opa steckte ihm noch 50 Rand zu. Wer noch ein Trinkgeld (Tip) gegeben hatte, konnten wir nicht sehen. Wir taten das gern, vielleicht auch als Türöffner für andere, die in den nächsten Tagen zur Noon Gun kommen.
Dann ging es für uns an die Waterfront. Der Hafen von Kapstadt ist prächtig gewachsen und läd ein, die vielen Geschäfte und Restaurants zu besuchen. Wir hatten Hunger und suchten erst einmal nach einem passenden Restaurant. Der Blick auf den Tafelberg war inklusive, es gab mittlerweile keine Wolken mehr. Aber leider auch nicht das berühmte Tischtuch, dass oben vom Tafelberg fällt und sich auflöst.
Nach einem guten Essen erkundeten wir den ganzen Bereich und machten wieder jede Menge Fotos. Viele Künstler machten unterschiedliche Musik und forderten teilweise sogar zum Mitmachen auf.
Um 16:00 Uhr sollte Noahs großer Traum in Erfüllung gehen - eine Fahrt mit dem Piratenboot. Der Opa hatte die Tickets bereits online gebucht und auf dem Handy. Wie modern die Piraten heute doch sind.
Die Fahrt mit den Piraten dauerte eine Stunde. Wir konnten sogar die ersten Delfine sehen.
Mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir wieder zur Unterkunft, um den Abend mit der Oma zu verbringen. Dazu war Kofferpacken angesagt, am Sonntag sollte es weiter gehen. Die Alarmanlage rührte sich die Nacht über nicht. Der Zugriff schien geklappt zu haben.
Nachtrag Yvonne:
Kapstadt war toll, einfach zu wenig Zeit mit Rotznasen so viele schöne Dinge zu tun. Allerdings hat alles einen Nachgeschmack. Das Leid und die Armut sind überall präsent. Die Ungerechtigkeit steht in jedem Restaurant, welches man besucht und an jedem Geschäft an dem man vorbeigeht. Viele Bereiche sind für die Ärmeren komplett gesperrt. Eine Tatsache die ich schwer akzeptieren kann. Durch diese große Stadt zu gehen bringt in jeder Minute eine andere Emotion mit sich, von Lebensfreude zu Mitgefühl, von Traurigkeit über Hoffnung, von Wut über Ungerechtigkeit zu Faszination über Geschichte und Kunst.
Ich kann nicht verstehen, wie besser situierte einfach an Zeltstädten vorbei gehen können ohne Regung. Wie oft gehen wir täglich an Not unserer Mitmenschen vorbei? Wie viel Leid, muss es sein, um bei uns Reaktion auszulösen? Muss eine Not immer materiell sein?
Nun kommt die nächste Etappe. Mein Schulprojekt stockt leider. Ich war der Auffassung das deutsche Schulsystem sei unbeweglich/träge, scheinbar ist das aber unabhängig vom Land :). Ich bleibe dran und hoffe es ist ein Phänomen der Arican Time.
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